Willkommen beim Forschungsprojekt „Zirkuläre Wohnraumnutzung“.

Wie kann bestehender Wohnraum an unsere Lebensphasen angepasst werden, damit weniger neu gebaut werden muss und dennoch alle nach ihren Wünschen wohnen können?

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Worum geht es?

Warum zirkulär wohnen?

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Betrug in Deutschland die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf 1990 noch etwa 30 Quadratmeter, sind es mittlerweile knapp 50. Einer der Gründe liegt im Bau von Einfamilienhäusern. Obwohl es bereits seit 2010 mehr Einfamilienhäuser als Familien in Deutschland gibt, bleibt diese Bauform weiterhin die beliebteste. Selbst in Städten wie Hamburg existieren inzwischen mehr Ein- und Zweifamilienhäuser als Familien mit minderjährigen Kindern. Das zeigt: Auch in größeren Siedlungsräumen herrscht kein pauschaler Wohnraummangel, sondern vor allem ein Verteilungsproblem.

Der Wohnraum ist dabei sehr ungleich verteilt. Während Menschen mit geringem Einkommen und viele junge Familien oft auf engem Raum leben, bleiben ältere Menschen nach dem Auszug der Kinder häufig in den großen Familienwohnungen oder -häusern. Umfragen zeigen, dass einige von ihnen im Alter durchaus über eine Verkleinerung nachdenken – etwa weil ihnen die Pflege ihres Hauses mit Garten zu aufwändig bzw. teuer wird.

Gleichzeitig suchen viele jüngere Familien einen größeren Wohnraum. Für sie erscheint Neubau häufig als einzige Alternative. Dieser verursacht allerdings hohe ökologische Kosten: Versiegelung von Grünflächen, Nutzung von Ressourcen, Ausstoß von Treibhausgasen. Auch für Kommunen entstehen hohe Folgekosten, etwa durch den Bau neuer Kitas und Schulen – während bestehende Einrichtungen in älteren Quartieren zunehmend untergenutzt bleiben.

Anstatt also immer mehr zu bauen, kann eine bedürfnisorientierte Verteilung des bereits vorhandenen Wohnraums dazu beitragen, dass das Wohnen ökologisch nachhaltiger, selbstbestimmter und passender wird, und somit auch nachhaltiger.

Zirkuläre Wohnraumnutzung - Wohnen neu gedacht

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Zirkuläre Wohnraumnutzung bedeutet, Wohnraum anzupassen, wenn sich die Lebensphase verändert. Beispiele hierfür sind, dass Familien bei der Gründung ihren Wohnraum vergrößern oder nach dem Auszug der Kinder wieder verkleinern. 

Zirkuläre Wohnraumnutzung bietet Lösungen für Belastung durch Pflege der Immobilie sowie für soziale Herausforderungen wie Einsamkeit im Alter oder Versorgung älterer Menschen.
Zirkuläre Wohnraumnutzung kann es jungen Familien ermöglichen, aus beengten Verhältnissen in frei werdenden größeren Wohnraum in bestehenden, gut erschlossenen Ortslagen umzuziehen. 
So muss weniger gebaut werden – das spart Ressourcen, schont Flächen, senkt Infrastrukturkosten und kommunale Ausgaben, und schützt Klima und Umwelt.

Dafür braucht es neben adäquaten Politikmaßnahmen auch Wohnalternativen und Angebote für Veränderungen in den Wohnpraktiken.

Im Projekt „Zirkuläre Wohnraumnutzung“ forschen Wissenschaft und Praxis gemeinsam: In der Pilotkommune Neuenhagen bei Berlin wird im Austausch von Erfahrungen mit weiteren Kommunen zirkuläre Wohnraumnutzung praxisnah erprobt. 

Zentrale Fragestellungen: Wie können Wohnalternativen zu Einfamilienhäusern und großen Wohnungen für ältere Menschen geschaffen werden, damit wachsende Familien ohne Neubau in der Gemeinde ausreichend Platz finden? Welche Angebote und Maßnahmen unterstützen solche Umzugsketten? Wie entwickelt sich die Wohnzufriedenheit der Menschen nach einem solchen Umzug? Wie kann das erlernte Wissen für andere Kommunen fruchtbar werden?

Pilotkommune Neuenhagen bei Berlin

Neuenhagen bei Berlin liegt am östlichen Stadtrand Berlins und zählt rund 19.600 Einwohner*innen. Die Gemeinde ist stark durch Einfamilienhaussiedlungen geprägt und gehört zu den gefragten Wohnstandorten im Berliner Umland. Die überwiegend kleinteilige Siedlungsstruktur stellt die Gemeinde vor die Aufgabe, angesichts der hohen Nachfrage die Wohnraumversorgung langfristig zu sichern und den Bestand bedarfsgerecht zu erweitern. Insbesondere Mietwohnungen sowie kleinere und barrierearme Wohnungen für unterschiedliche Lebensphasen – etwa für junge Menschen, ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen – sind bislang nur begrenzt vorhanden. Ziel ist es, sowohl älteren Bewohner*innen attraktive Bleibeperspektiven als auch jüngeren Haushalten passende Wohnoptionen innerhalb der Gemeinde zu bieten.
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Mit dem Areal der ehemaligen Gärtnerei „Blumen Liebe“ verfügt Neuenhagen über eine zentrale Entwicklungsfläche, die in den kommenden Jahren zukunftsorientiert weiterentwickelt wird. Auf dem rund 9.300 Quadratmeter großen Grundstück soll ein neues Wohnquartier entstehen, das das bestehende Wohnraumangebot gezielt ergänzt. Die Vergabe der Baugrundstücke erfolgt über ein Konzeptverfahren, bei dem neben wirtschaftlichen Aspekten insbesondere städtebauliche, soziale und funktionale Kriterien berücksichtigt werden.

Neuenhagen wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Zirkuläre Wohnraumnutzung (ZiWoNu)”, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird, als Pilotkommune wissenschaftlich begleitet. Die Konzeptvergabe leistet dabei einen direkten Beitrag zur praktischen Erprobung des Ansatzes. Ergänzend plant die Gemeinde weitere Maßnahmen zur strategischen Weiterentwicklung der Wohnraumversorgung. Dazu gehören unter anderem die Erhebung von Wohnbedarfen im Rahmen von Beteiligungsprozessen sowie die Erarbeitung einer kommunalen Wohnraumstrategie.

Blick vom Turm des Rathauses in Neuenhagen. Es führen Straßen weg und ein paar Häuser sind zu sehen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für fünf Jahre gefördert.
In einer transdisziplinären Zusammenarbeit bringen Forschung, Praxis und Zivilgesellschaft ihr Wissen zusammen:

Wissenschaft

Europa-Universität Flensburg

Deutschlands nördlichste Universität, die seit 2014 den Namen Europa-Universität Flensburg trägt, ist eine junge Hochschule mit rund 6.000 Studierenden, die Horizonte öffnen und Grenzen überwinden möchte. Ihre Forschung konzentriert sich auf Bildungswissenschaften, Europawissenschaften sowie Transformation und Nachhaltigkeit, wofür Einrichtungen wie das Norbert Elias Center for Transformation Design and Research (NEC) und das Zentrum für nachhaltige Energiesysteme stehen. Am NEC werden aus sozialwissenschaftlicher Perspektive gesellschaftliche Veränderungsprozesse im Kontext globaler sozial-ökologischer Krisen untersucht. Die Abteilung Nachhaltige Energiewende erforscht und lehrt, wie fossile Energiesysteme weltweit in erneuerbare überführt werden können, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten.

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Praxis

Gemeinde Neuenhagen bei Berlin

Die Gemeinde Neuenhagen bei Berlin beschäftigt sich aufgrund ihres stetigen Einwohnerzuwachses und der demografischen Alterung im Bestand mit den Auswirkungen des Flächenverbrauchs. Um die negativen Effekte eines weiteren Siedlungsflächenzuwachses zu vermeiden, prüft sie Strategien zur effektiveren Nutzung bestehender Flächen, einschließlich Nachverdichtung und bedarfs- sowie lebensphasengerechter Wohnraumverteilung. Dafür wurde eine zentral gelegene Brachfläche von über 1 ha erworben und soll im Rahmen eines zirkulären Wohnkonzepts von der Gemeinde selbst entwickelt und betrieben werden. Die planungsrechtliche Absicherung, ein städtebaulicher Wettbewerb und ein Bebauungsplanbeschluss liegen bereits vor, während die konkrete Ausgestaltung des Wohnkonzepts im Forschungsprojekt weiterentwickelt wird.

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Wissenschaft

ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH

Das ifeu ist ein gemeinnütziges, unabhängiges Forschungsinstitut mit Standorten in Heidelberg und Berlin, das seit über 40 Jahren umweltwissenschaftliche Forschung und Beratung betreibt. Mit rund 70 Mitarbeitenden arbeitet es zu Themen wie Energie- und Umweltmanagement, erneuerbaren Energien, Verkehr und Umwelt sowie Ökobilanzen und Stoffstromanalysen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Evaluation und Weiterentwicklung energiepolitischer Instrumente, der Technikfolgenabschätzung und der Modellierung von Energie- und Stoffstromsystemen. Zudem analysiert das ifeu seit zwei Jahrzehnten Politikinstrumente im Bereich Energieeffizienz und Gebäude und hat zuletzt intensiv an Themen wie EE-Wärmemarkt, Marktanreizprogramm, Nationaler Klimaschutzinitiative und Sanierungsfahrplänen gearbeitet.

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Wissenschaft

Technische Universität Berlin
Das Fachgebiet Stadtplanung und Bestandsentwicklung an der TU Berlin befasst sich mit nachhaltiger Bestandsentwicklung und kommunalen Innenentwicklungsstrategien, wobei das Wohnen sowie Themen wie Nutzungsmischung und Klimaanpassung zentrale Schwerpunkte bilden. Es ist Gründungsmitglied des Netzwerks „Making of Housing“ und am entstehenden „Housing Lab“ der TU Berlin beteiligt. Der Lehrstuhlinhaber hat bereits in den 2010er-Jahren wesentliche kommunale Handlungsbedarfe im Flächen- und Wohnraummanagement erforscht und diese in seiner Dissertation zu suburbanen Wohngebieten vertieft. Im aktuellen Forschungsprojekt „Großstädte als Wohnorte“ analysiert das Fachgebiet gemeinsam mit dem ILS Innenentwicklungsstrategien deutscher Großstadtregionen.

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Zivilgesellschaft

Deutsche Umwelthilfe e.V.
Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Umwelt- und Verbraucherschutzverein, der sich für nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen sowie umweltfreundliche Produkte einsetzt. Sie verbindet Umwelt- und Verbraucherschutz und arbeitet dabei konstruktiv mit Verbänden, Unternehmen, Behörden, Kommunen und Bürgerinnen zusammen, insbesondere zu Themen wie Klima- und Nachhaltigkeitszielen, Energiewende und der Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Mit ihrer langjährigen fachlichen Expertise gilt die DUH als vertrauenswürdiger Initiator und Moderator in Projekten zu klimafreundlicher Gebäudesanierung, kommunalem Klimaschutz und nachhaltiger Quartiersentwicklung und ist breit vernetzt mit relevanten Akteurinnen.

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